Die "Neue"

Ich bin kein Markenfetischist, aber von Pfaff war ich vollkommen überzeugt. Bisher habe ich mit einer mechanischen Pfaff, Modell select 3.2 mit Obertransport (bei mir ein absolute must have) genäht, die ich uneingeschränkt empfehlen kann und auf jeden Fall noch einmal kaufen würde.

Aber irgendwann kommt, was kommen muss, die Maschine fängt an zu schwächeln, bei diesem Dauereinsatz auch kein Wunder.

Also, eine Neue soll her. Ab ins Internet. Ich habe viele gelesen, besonders weil ich ein Modell mit vielen Zierstichen haben wollte, um kreativer zu arbeiten. Dennoch muss die Maschine der Dauerbelastung standhalten.

 

Am Ende bin dann in meinen Nähmaschinenladen und habe mich beraten lassen. Zuerst wollte ich bei meiner angestammten Marke bleiben, aber da die Maschine ständig genutzt wird, wurde mir geraten zu Janome oder Bernina zu wechseln. Was nun?

Der Vorteil der Janome liegt ganz klar in der Robustheit, ja und auch im Preis, sie ist ein ganzes Stück günstiger als eine Bernina.

 

Wie bereits erwähnt lege ich sehr viel Wert auf einen Obertransport. Die Janome hat diesen nicht direkt eingebaut, sondern den „Accu Feed“  der zusätzlich angebaut werden kann. Nachteil: Es gibt nur drei Nähfüße für dieses System.

Mein Auge viel auf die Bernina 740. Sie bietet  alles was ich gerne hätte, ist aber eine ganze Ecke teurer und auch das Zubehör ist kein Schnäppchen. Am Ende hat mir ein guter Geist den Wunsch dann doch erfüllt und am Freitag konnte ich mein Traumteil abholen: Die Bernina 740

 

 

 

Statt einem bunten, ansprechenden Karton, den ich von Pfaff gewohnt bin, durfte ich einen riesigen „Umzugskarton“ mit nach Hause nehmen, von außen erstmal unspektakulär.

 Außer dem Bernina- Logo und dem Gewicht (die Maschine wiegt mehr als 14kg) verrät nichts den Inhalt.

 

Beim Öffnen konnte ich zuerst den großen Anschiebetisch sehen. Alle Teile sind sorgsam in extra stabilem Schaumstoff verpackt, Zubehör befindet sich in einem kleinen Karton, fast wie ein Geschenk und sogar die wirklich dicke und ausführliche Anleitung ist einem schönen Karton verpackt.

 

Nachdem ich alles ausgepackt hatte, habe ich erstmal das kleine „Schränkchen“, das als Zubehörfach dabei ist, mit den Zubehörteilen bestückt.

 

 

 

 

Die Maschine ist riesig! Mit einer Breite von rund 50cm und einer Höhe von 35cm nimmt die Bernina ein ganzes Stück meines Tisches ein.

 

 

Was mir auf Anhieb sehr gut gefällt, ist der lange Freiarm und der große Anschiebetisch. Der Freiarm bietet mit einem Stoffdurchgangsraum von rund 25cm Länge und einer Höhe von 13cm sehr viel Platz, gerade wenn ich Taschen nähe, ist es oft ein Kampf das Material unter die Maschine zu bekommen, hier fällt das schon etwas leichter.

 

Und auch der große Anschiebetisch ist eine echte Bereicherung. Über dem Fach für den unterfaden ist der Tisch mit einem Fenster ausgestattet, so muss der Tisch nicht bei jedem Unterfadenwechsel abgebaut werden.

 

Danach, ganz klar, möchte ich gleich los nähen. Ich hatte ja schon viele Nähmaschinen, aber die Bernina ist die erste, für die ich eine Anleitung brauche um den Unterfaden aufzuspulen und einzulegen. Auch das Einfädeln kommt mir erstmal kompliziert vor, ich musste es ein paar Mal versuchen.

 

Neben der Anleitung steht mir das Display bei Fragen zu Verfügung. So kann ich z.B. ein kleines Video ansehen, wie die Maschine richtig eingefädelt und der Unterfaden aufgespult und eingelegt wird. Wenn man sich so blöd anstellt wie ich eine echte Hilfe!

 

Eine weitere Besonderheit dieser Maschine sind die Maxi- Spulen, sie sind sehr praktisch, da bis zu 80% mehr Faden aufgespult werden kann. Der einzige Nachteil ist der vergleichsweise hohe Preis.

 

Während eine Brother oder Pfaff Spule ca. 070€ kostet schlägt die Maxispule non Bernina mit 2,-€ zu buche. Auch eine Spulenbox gibt es für die großen Spulen nicht. Zwar können im Zubehörschränkchen 5 Spulen aufbewahrt werden, aber mit dieser Menge komme ich bei weitem nicht aus. Die alternative ist eine Sortierbox in der die „Monsterspulen“ platz finden und nicht durcheinander purzeln, aber das funktioniert ja auch.

 

Ok, eingefädelt, weiter geht’s. Nähfuß? Der Standart- Nähfuß der angebracht ist,  kann nicht mit dem Obertransport, den ich gleich ausprobieren will, genutzt werden. Also habe ich erstmal herausgefunden, wie das wechseln der Füße funktioniert.

 

Viele Maschinen haben einfach einen Hebel, der gedrückt wird und der Nähfuß löst sich. Meine Pfaff verfügt über ein einfaches Klicksystem. Bernina ist auch mit einem Hebel ausgestattet der einfach nach hinten gedrückt wird und der Fuß kann nach unten weggezogen werden.

 

Auch bei den Nähfüßen hat Bernina eine Besonderheit: der Nähfuß ist fest mit dem Nähfußschaft verbunden und wird insgesamt gewechselt. Das hat den enormen Vorteil, dass die Füße extrem stabil und strapazierfähig sind, machen sie aber auch etwas teurer.

 

Der Wechsel an sich aber trotzdem sehr einfach. Ein Dorn an der Maschine hilft beim Platzieren, danach wird der Befestigungshebel wieder nach unten geschoben und es kann genäht werden. Ein falschen Einsetzen des Nähfußes ist dadurch nicht möglich, naja vielleicht schon, aber vorstellen kann ich mir das nicht.

 

Wie schon erwähnt hat diese Bernina einen Obertransport, diesen hatte ich bereits bei meiner Pfaff (dort heißt das System IDT). Er lässt sich ganz einfach durch herunterziehen zuschalten. Leider können nicht alle Nähfüße verwendet werden. Die geeigneten Füße haben eine Aussparung, damit der Dualtransport „mitlaufen“ kann.

 

Jetzt geht´s dann endlich mal los. Beim ersten nähen fällt mir auf, wie riesig der Nähfuß ist und ich finde, das er etwas die Sicht versperrt. Außerdem fehlen mir etwas die Orientierungslinien die ich beim Pfaff Standart- Nähfuß gewöhnt. Aber sicher gewöhne ich mich sehr schnell daran, das ist auch Jammern auf hohem Niveau.

 

Es ist erstaunlich wie leise und ruhig die Maschine läuft. Von den 1000 Stichen pro Minute merkt man gar nichts. Der Stoff gleitet leicht unter dem Fuß durch und auch dicke, schwergängige Materialien werden mühelos und sauber genäht.

Auch die Bedienung ist sehr einfach. Stichprogramme können einfach über das Display ausgewählt werden.

 

Zum enthaltenen Zubehör gehört auch ein Touchpen, der seitlich an der Maschine aufbewahrt werden kann. Besonders praktisch finde ich, dass der Stift einfach magnetisch an der Maschine hält.

 

Keine Halterung heißt auch, nicht danach suchen zu müssen, umständlich an die Seite gucken oder ständig den Stift runter werfen, weil man mal wieder danebengegriffen hat.

 

 

Ebenfalls seitlich befinden sich die Anschlüsse für Strom, Fußpedal, der Einschaltknopf, sowie ein Anschluss für PC und ein USB- Anschluss für Updates.

 

 

 

Stiche und Stichprogramme

 

Insgesamt stehen 800 Stichprogramme zur Verfügung:

29 Nutzstiche

200 Dekorstiche

5 Alphabete

sowie 23 Quilt- und 25 Kreuzstiche, 11 Knopflöcher und 2 Stopfprogramme.

 

Wie schon erwähnt leistet die Bernina 740 max. 1000 Stiche pro Minute und arbeitet dabei leise und ruhig. Genäht werden kann mit Start- Stop- Taste oder Fußpedal. Die max. Stichlänge liegt bei 6mm, die max. Breit bei 9mm, wobei für diese Breite nicht alle Nähfüße verwendet werden können. Damit nichts schief läuft, sind die Nähfüße mit einem Sensor ausgestattet, der ein einstellen eines zu breiten Stiches verhindert. Länge und Breite der Stiche werden einfach und schnell über zwei Drehknöpfe eingestellt.

 

Wie schnell die Maschine näht, kann ganz einfach mit einem Schieberegler eingestellt werden, was ich ideal für nicht so geübte Näherinnen oder nähen mit Kindern sehr gut finde.

 

Display und Einstellungen

 

Das Display ist groß und übersichtlich und bietet eine Vielzahl an Einstellungen und Hilfen. Dabei können etliche Dinge individuell eingestellt werden.

 

So habe ich z.B. den Hintergrund in pink eingestellt (Standard blau). Eine Spielerei- aber eine nette Spielerei.

Auch die Belegung der Bedienknöpfe wie Nähfußhöhe, Fadenabschneider usw. können verändert und an die Arbeitsweise angepasst werden.

 

Bei Fragen zum Bedienfeld wird einfach das Fragezeichen angetippt. Das Display ist dann blau umrandet und in der Mitte erscheint ein Fragezeichen. Nun kann ein beliebiges Feld oder Symbol angetippt werden, das kurz und verständlich erklärt wird.

 

 

 

 

 

Eine weitere Hilfe ist der Nähberater, der über die kleine Schneiderpuppe angewählt wird. Es erscheint ein Untermenü in den unterschiedliche Stoffqualitäten ausgewählt werden können und welches Projekt genäht wird, z.B. Reißverschluss. Passend dazu, werden dann Maschineneinstellungen und Nähfuß vorgeschlagen und bei Wunsch direkt eingestellt.

 

Der Eco-Knopf: Oft vergeht zwischen dem Nähen einige Zeit, die Maschine extra auszuschalten lohnt aber nicht. Hier kann der Eco-Knopf beim Energiesparen helfen.

 

 

 

 

Und sonst?

 

Erwähnenswert ist auf jeden Fall noch die ausführliche Bedienungsanleitung mit unzähligen Farbbildern. Auf 135 Seiten wird jede Frage rund um die Maschine beantwortet.

 

Nählicht: Die Bernina hat ein ausgezeichnetes Nählicht, das sehr hell ist und gute Sicht garantiert.

 

Außerdem das Zubehör: Wie die Maschine selbst, ist auch das Zubehör absolut hochwertig. Die Staubschutzhaube zum Beispiel weder aus billigem Plastik noch aus dünnem Stoff. Sie kommt in einer strapazierfähigen Nylon- Ausführung, die extra gepolstert ist, mit ins Haus.  Auch beim Touchpen wird auf billigen Kunststoff verzichtet: Das Mittelteil ist aus Metall und liegt im Vergleich zu anderen, schwer in der Hand.

 

Neben dem Zubehör das jede Maschine mitbringt, z.B. Pfeiltrenner, Unterfadenspulen, Reinigungspinsel, Schraubendreher usw. sind 5 Nähfüße enthalten. Zwei Standart- Nähfüße (einer der mit und einer der ohne Obertransport verwendet werden kann), sowie der automatische Knopflochfuß, Reißverschlussfuß und ein offener Stickfuß.

 

Mein Fazit: Obwohl ich die Maschine erst seit kurzem in Betrieb habe, würde ich sie empfehlen. Ja, sie ist teuer, aber der Preis ist angesichts der Qualität gerechtfertigt. Wenn ich die Maschine länger in Betrieb habe, werde ich den Beitrag evtl. noch ergänzen.

 

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